Digitalisierung - Quo vadis?

16/04/20 Mit der Digitalisierung geht es voran. Aber wohin? Über Chancen, Risiken, Fettnäpfchen.

Wenn die Corona- Krise etwas Positives mitbringen soll, dann werden oft die gleichen Wünsche formuliert. Für das, was jetzt aber auch wirklich mal passieren soll. Zum Beispiel: 

  • Man habe mehr Zeit füreinander, für die Lieben und Familie, die eigenen Hobbies, die Wohnung aufräumen - alles sehr schön. Aber: die Begeisterung hält nicht lange an, vor allem, wenn man eine Familie zu ernähren, ein Unternehmen zu leiten, Projekte zu managen hat oder sich anders um die Gestaltung der Zukunft Gedanken macht.
  • Die Digitalisierung erlebe einen starken Schub - plötzlich halten digitale Technologien mit einer Geschwindigkeit Einzug in Lebens- und Arbeitsbereiche, die vorher kaum möglich schien. Dieser zweite Bereich erscheint spannend und interessant.

Aber: Ist das wirklich nachhaltig? Wie steht es um die Chancen, dass diese Entwicklung tatsächlich anhält? Hier ein paar Gedanken dazu.

Digitalisierung everywhere - alles scheint plötzlich möglich

Home Office, Video Conferencing, digitales Office, digitale Schule - bis März 2020 erschienen viele dieser Entwicklungen lediglich kühne Träume zu sein, die an den immer gleichen Hürden scheitern würden: "Geht nicht, können wir nicht, wollen wir nicht" - die Antworten liefen oft auf das Gleiche hinaus. Und jetzt auf einmal musste innerhalb weniger Tage alles plötzlich ganz schnell gehen.

  • Digitale Kommunikation: Die Menschen schauen über ihre Monitore nach draussen in die Welt. Wenn man sie jetzt erreichen will, geht das fast nur noch digital. Mit Social Media Plattformen, Tools, Apps, Web. Wer jetzt keine digitale Lösung parat hat, hat ein Problem und kann nicht mehr kommunizieren.
  • Online Shops: Videos weinender Einzelhändler gingen steil und gaben Zeugnis, wieviel vorher versäumt worden war. Es könnte für jeden Händler so einfach sein und plötzlich geht es bei auch: man baut sich einen einfachen digitalen Vertriebsweg auf und wenn es erstmal nur die Whatsapp-Adresse ist. Nur: professionell ist das oft noch nicht und hat lediglich den Charme des Improvisierten. Heißt: Wer jetzt nicht aufpasst und dringend nachrüstet, kann schnell überflüssig werden. 
  • Home Office und Organisation: Das ging wirklich schnell, weil es musste. Viele Unternehmen haben es ruckizucki geschafft, die Tools, für die manche früher mehrere Monate Vorlauf zur Genehmigung geschweige denn zur Anschaffung benötigten, waren auf einmal sofort verfügbar und oft auch gleich einsatzfähig. Die Bereitschaft aller Beteiligten ist immer noch riesengroß, über anfängliche Schwierigkeiten wird hinweg geschaut. Spaß und Freude an der gemeinsamen Arbeit stehen im Vordergrund. Die Hoffnung, zusammen durch eine schwere Zeit zu kommen, erleichtert und ermöglich Vieles. Die Unternehmen freuen sich und kommunizieren.
  • Digitale Schule und digitales Lernen: Als ob es nie möglich werden würde, bis ans Ende aller Tage man sich mit allem wehren würde. Damit Schüler auf ewig mit zu schweren Taschen in die Schulen marschieren müssen. Und auf einmal sind digitale Lerneinheiten, Kolloquien, Lehrmaterialien und vieles mehr möglich. Schüler lernen, Lehrer lehren digital und es funktioniert - wer hätte das gedacht. 
  • Digitale Medizin: Hier ist bestimmt noch am meisten zu tun. Einfach weil niedergelassene Ärzte derzeit so viel mit anderen akuten Problemstellungen zu tun haben, manche mit den Kommunikationstechnologien noch am Anfang stehen, Vorgaben und Rahmen zu berücksichtigen sind und man sich manchmal vielleicht auch nicht traut, "einfach zu machen", z.B. sind digitale Sprechstunden für Patienten und Ärzte oft noch echte Abenteuerexkurse.
  • Messen, Präsentationen, Kongresse: am Anfang, aber hier steckt Potenzial. Einen Kongress wie ein digitales Rockkonzert zu organisieren - das setzt Phantasie, Technologiekenntnis und -Equipment, Spaß in der Kommunikation und Vermarktung voraus. Einige Vorreiter können das schon sehr gut - z.B. Digital Masterclass, OMR und andere. Aber klassische Messeanbieter und Unternehmen sind auch hier oft noch nicht mit alternativen Lösungen im Einsatz. Einfach weil ihnen oft und selbst jetzt noch die Vorstellung davon fehlt, wie ihre Kunden erreichbar sind, dann wird die Messe eben abgesagt, das Geschäft findet nicht statt. 
  • Digitales Bezahlen - ne me touche pas, fass mich bloss nicht an. Noch wenige Wochen vor Corona erschien das bargeldlose Bezahlen ausgerechnet in Deutschland (!!!!) manchen bloss wie ein feuchter Traum kühner Digitalspinner, an den hier (!!!!) niemand recht glauben mochte. Und heute? Kann in jedem kleinen Geschäft plötzlich ohne weiteres Anfassen potenzieller Virenträger bezahlt werden. 

Die Chancen - was daraus Schönes entstehen kann

Bei DRIVE erleben wir es selbst: Wir sind seit Start sowieso digital unterwegs und organisiert, arbeiten so und tauschen uns miteinander aus. Und jetzt: Von einem Tag auf den anderen gingen alle ins Home Office und es klappte von Anfang an. Mit viel Spaß, Begeisterung, voll funktionsfähiger Projekt- und Jobverwaltung, einfacher Kommunikation per Mail und Chat, Videotool und mehr. Wir haben es aber auch einfach: Wir sind eine ganz gute Digitalagentur, denken wir :), und erfahren damit obendrein. Alle bei uns beherrschen die Tools und lernen neue super schnell. Damit sind wir und viele andere in besonderen Situationen, die uns positive Vorteile ermöglichen. Als da folgende sind.

Werte, die für das Arbeiten im Unternehmen "wertvoll" sind, werden erlebt, ausgebildet und gefestigt 

  • Respekt untereinander, über alle Ebenen und Teams hinweg
  • Verantwortung füreinander und für die gemeinsamen Projekte
  • Sorgfalt und Fürsorge für die Kunden, ihre Zielsetzungen und Aufgaben
  • Gemeinschaft erleben: Man freut sich aufeinander, auf den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, wertschätzt die Zeit zusammen und nutzt sie intensiv
  • Vertrauen in die Kollegen, mit denen zusammen etwas erreicht werden soll und auf die man sich verlässt
  • Vertrauen in das Unternehmen und den Arbeitgeber, in dem dessen Rolle ist, für den Erhalt der Arbeit Sorge zu tragen; in die Kunden, deren Ansprüche und Zusagen ebenfalls Vertrauen in die Zukunft ermöglichen und damit Perspektiven geben
  • Stolz: auf die eigene Arbeit, die Ergebnisse, die man zusammen mit anderen erreicht hat
  • Mut, um Neues anzupacken, weitere neue Projekte und Technologien anzugehen
  • Freude und Sinn: Arbeit wird als sinnvoll erlebt, ich kann mir meinen Tag nicht vollständig, aber selbst und frei einteilen, mir meine Ziele setzen und sie auch erreichen

Weitere Pluspunkte der Digitalisierung, kurz und ganz allgemein

  • Alle Prozesse werden digital, endlich
  • Wichtige Tools werden langfristig eingeführt
  • Moderne Arbeitsformen werden fest etabliert, wie eben Homeoffice statt stationär, Videokonferenzen statt Reisen u.v.m.
  • Zeit wird effizient genutzt: Arbeiten statt rum-Reisen-und-Zeit-Verplempern
  • Geld wird gespart und kann anders = besser eingesetzt werden: Reisen, Mieten, und und und
  • Neue Geschäftswege werden möglich. Hier verweisen wir jetzt einfach nur auf die hunderttausend Digitalartikel zum Thema. Nur: Für jede Branche, für jedes Geschäft und Unternehmen stellt sich das nochmal anders dar und muss individuell gedacht werden. 

Die meisten Vorteile liegen für uns Digitale sowieso auf der Hand: macht man Digital richtig, wird man einfach schneller, besser, wirksamer, sparsamer und mindestens auf mittlere Sicht auch erfolgreich - dann hätte man es doch einfach auch sowieso machen sollen, oder nicht? Und warum hat das dann bisher nicht geklappt? Und jetzt soll das auf einmal alles anders sein?

Geht nicht, gibt´s eben doch 

Irgendwann wird auch die schlimmste Krise vorbei sein. Was passiert dann? Werden die schönen Errungenschaften des Digitalen Bestand haben? Werden alle dann weiter digital leben und arbeiten, wie es jetzt gerade gut funktioniert? Möglich. Aber ein paar Risiken lauern eben doch am Wegesrand. Und das sind zum Beispiel die Folgenden. 

  • Misstrauen gegenüber neuen Arbeitsformen: Nicht jeder im und nicht jedes Unternehmen als Ganzes finden Homoffice grundsätzlich gut. Manche schätzen es gar nicht, wollen die Mitarbeiter und Kollegen  eben doch jeden Tag bei sich sehen. Jetzt machen sie gerade mit, aber in einer Zeit irgendwann gleich nach Corona werden sie die Zeit schnell zurück drehen. Und woher kommt das Misstrauen, was könnten die Vorbehalte sein?
  • Der Arbeitnehmer fühlt sich ausgebeutet: Sie/er/es arbeitet mehr als vereinbart, zumindest in der eigenen Wahrnehmung. Der Arbeitgeber verlange immer mehr, gerade in Zeiten einer Krise, und nutze sie/ihn/es aus. Die Strukturen sind nun mal so: Der eine gibt seine Arbeitskraft, der andere bezahlt sie. Definiert das nicht gleich schon das gesamte Verhältnis?
  • Der Arbeitgeber fühlt sich ausgenutzt: Mitarbeiter würden die Situation ausnutzen, könnten oder wollten sich selbst nicht ausreichend motivieren, ob echte oder vermeintliche Barrieren ein Ergebnis verhindern. Sind ab einem bestimmten Punkt doch alle Egoisten, nur auf die eigenen Vorteile bedacht? Um hier Konflikte zu lösen oder ihnen vorzubeugen, ist viel Vertrauen notwendig. Wenn das nicht existiert, hat man es ganz schwer, besonders, wenn die erhofften Ergebnisse ausbleiben. 
  • Unrealistische Planungen fallen jetzt besonders ins Gewicht. Was bisher über Druck, Macht und einfach den nächsten Jahresplan oder ein neues Quartalsprojekt ausgeglichen werden konnte, führt jetzt unweigerlich zum Konflikt. 
  • Die Technologie macht nicht mit: WLAN fällt aus, Internet ist weg. Dann war´s das mit der Digitalisierung. Und wenn dann die Basis nicht stimmt, siehe oben die Werte und Vorteile - was bleibt dann? Eben. Und besonders in Deutschland sind wir hier anscheinend doch nicht so gut ausgestattet, wie wir es gerne wären.
  • Die Bewahrung des Bestehenden erscheint vielen sicherer als das Neue und Ungewisse. Der Gedanke, dass nach Corona die Welt eine komplett andere und damit mindestens in wichtigen Teilen auch bessere sein soll, ist eben auch sehr romantisch und möglichweise auch nicht realistisch. Im Gegenteil: je länger eine Krise dauert, umso wertvoller kann es vielen erscheinen, zum vorherigen Status Quo zurückzukehren. Denn trotz manch Negativem - das Vorherige gab zumindest Sicherheit und damit auch Zuversicht. Haben wir wirklich gelernt, dass die Basis brüchig sein und alles schnell zusammen brechen kann? Bloss schnell wieder zurück ins Kuschelige! Viele werden etwas verloren haben, das sie sich wieder zurück wünschen, oder etwas Gleichwertiges. 
  • Viele Unternehmen werden schlicht und einfach zusammen gebrochen sein - je länger der wirtschaftliche Shutdown dauert, umso wahrscheinlicher ist es, dass viele Unternehmen einen nächsten oder übernächsten Zahlungstermin nicht mehr er- und überleben werden. Das bedeutet schlimme Folgen und Verluste für die Betroffenen, deren Kunden, Partner, Beschäftigte, deren Familien und Gemeinden und alle mit ihnen verbundenen Institutionen. Für eine Gemeinschaft insgesamt kann dies traumatisch werden, Beispiele dafür gibt es viele. Daraus etwas Gutes zu schaffen, ist alles andere als zwangsläufig und bedarf großer gestalterischer Anstrungungen, schon bei der Formulierung der Ziele, wie man das Leben und Arbeiten aller sichern will, auf welcher Wertebasis dies sein soll, mit welchen Instrumenten das zu schaffen sei. 
  • Digitalisierung selbst ist nicht nur "schön" sondern kann auch repressiv eingesetzt werden. Apps zur Zeiterfassung, zur Kontrolle von Wegen, Zeiten, Erkennung und Logging der Tätigkeit am Arbeitsplatz - derzeit stehen noch rechtliche Regelungen entgegen. Aber wie schnell solche gekippt werden können, ist oft nur eine Frage des triftigen Grunds und der passenden Argumentation zum rechten Zeitpunkt. 
  • Viele Menschen wollen sich auch in echt und persönlich erleben, nicht nur über Monitore, Tastaturen, Zeiger miteinander kommunizieren. Gerade nach Corona wird dieses Bedürfnis bei ganz vielen sehr groß sein. Und allein das wird schon in vielen Organisationen und Institutionen ausreichen und ganz schnell kann alles wieder genauso laufen wie vorher. Mit allem was gut, aber was eben auch nicht optimal war. Und dann wird es ganz schnell auch mit vielen vermeintlichen oder echten, anderen Vorteilen wieder vorbei sein. 

Es lauern Gefahren am Wegesrand in die schöne neue digitale Zukunft einer vermeintlich oder echt besseren Welt. Drücken Botschaften darüber also doch oft mehr den Wunschtraum des Senders aus als realisierbare Möglichkeiten mit echten Perspektiven? Zu Zeiten der Einführung des Internets war es schon zu erleben: Wer heute die Internetpioniere der ersten Generationen fragt, wird von zerplatzten Träumen und Hoffnungen auf eine bessere Welt hören, die alle so nicht eingetroffen sind - die Revolution frass ihre Kinder recht schnell. Warum sollte das jetzt anders sein?

Wie gestalten wir die Zukunft? Digitalisieren ist kein Selbstzweck

Was können wir lernen? Wie gehen wir es an, wie machen wir mit der Digitalisierung weiter? Nicht erst NACH der Krise, sondern wie überstehen wir sie auch selbst auf dem Weg bis zum Ende.

1. Erst die Ziele, die Analyse, das Konzept, dann die Technik: Wenn wir digitalisieren, genügt es nicht, einfach nur Tools einzukaufen und sie einzusetzen. Wir müssen immer mit klaren Vorstellungen, richtigen Gründen, tatsächlichen Zielen wissen, warum wir was und wen digitalisieren wollen und was wir damit erreichen möchten. Sonst wird es nix. 

2. Viele Vorteile des Digitalen überzeugen von selbst. Manches geht digital eben einfach schneller, besser, hilft und spart für Besseres. Das überzeugt selbst Skeptiker.

3. Wir haben es selbst in der Hand und können Zukunft positiv gestalten. Indem wir Ziele in positiven Bildern konkret zeigen und den Weg als realistisch nachvollziehbar beschreiben, wie wir sie erreichen wollen. Unser Bild, dass wir von uns selbst und den anderen zeichnen, prägt unser Denken, Handeln und beeinflusst damit auch das, was wir in Zukunft tatsächlich erreichen und schaffen werden. 

4. Respekt, Vertrauen, Gemeinschaft - das erarbeiten wir uns, müssen es erhalten und bewahren. Es trägt uns weiter, kann zu neuen Sichtweisen aller auf das gemeinsame Unternehmen führen, als einen Organismus, den alle gemeinsam gestalten, jeder nach besten Kräften, mit ausreichend Raum und Platz für jeden Einzelnen, um das Über- und Leben aller zu sichern, im Weiteren die Verwirklichung der gemeinsamen und aller einzelnen Ziele. 

Manche führen hier das Modell der "Komplizen" à la "Butch Cassidy and The Sundance Kid" ein - romantische Verklärung von Gangsterbanden, die trotz egoistisch gegensätzlicher Ziele kurzfristig erfolgreich zusammen arbeiten wollen. Leider trägt das nicht für auf Langfristigkeit ausgelegte Unternehmen. Wir bei DRIVE folgen dem Modell des "Ateliers", in dem jeder mit dem Respekt aller anderen im Unternehmen sich kontinuierlich einbringt und so das gemeinsame Leben und Arbeiten kurz-, mittel und langfristig mit sichert - jeder und jede ist ein Künstler, Ingenieur und Erfinder, eine Schöpferin, Bewahrerin und Entwicklerin und trägt etwas Wertvolles bei. 

5. Die Welt ändert sich sowieso. Wer nicht mit gestaltet, wird liegen bleiben, in der Wüste verenden, während die Karawane weiterzieht. Händler ohne Onlineshop - wird es nicht mehr geben können. Unternehmen ohne Homeofficeangebote, Video Conferencing - diese Tools nicht zu haben, wird einfach zu viel kosten und die Companies werden es schwerer haben, gute Arbeitnehmer zu finden. Genauso werden Verantwortungsbewusstsein, Selbstkontrolle, intrinsische Motivation für alle, die arbeiten, immer wichtigere Eigenschaften sein, ob sie nun egoistisch oder altruistisch angetrieben werden, als Bankräuber, Künstler, Erfinder oder einfach nur Menschen, die einen guten Job machen wollen. 

Es geht voran - packen wir´s an

Ok bis hierher. Wer Spaß am weiteren Überlegen hat, ist herzlich eingeladen: pole-position[at]drive.eu Bleibt gesund! Das kann noch länger dauern. 

Stephan Probst

Stephan Probst

Habt ihr Fragen?

Stephan Probst unter pole-position(at)drive.eu - frohe Botschaften für alle. Stephan ist DRIVE und seine Begeisterung reißt alle in der Agentur mit.