Steuern durch den Sturm

25/03/20 Was man tun kann, um das Unternehmen auf Kurs zu halten.

Die Krise ist da, heftig und stark, wie keine, die vorher da gewesen ist. Niemand weiß wirklich, wie lange sie dauern und welche Auswirkungen sie haben wird. Sie ist ein großer, immens starker Sturm, der über alles hinweg fegt, durcheinander wirbelt, in dem die alten Regeln, wie und was man tut, keinen Bestand mehr haben. Ob der Markt hinterher anders ist als jetzt? Lässt sich nicht beantworten und ist jetzt gerade auch nicht wichtig. Denn erstmal müssen wir einigermaßen durch den Sturm gelangen, hoffentlich heil und unbeschadet. Hier ein paar Gedanken dazu, für jene, welche sich jetzt mit ihren Unternehmen in einer solchen Situation befinden - also: derzeit für alle.

1. Sprich mit deinen Kunden

Talk! Talk! Talk! Über alle Kanäle. Auf allen Wegen. Ruf sie an. Nutze Videokonferenz, damit sie dich sehen. Setze Social Media ein: LinkedIn, Facebook, Xing, auch Instagram. Sei klar, offen, aufrichtig und transparent. Sag was los ist bei dir und was du vorhast. Kein Theater, sondern genauso wie es jetzt ist und was du vorhast zu unternehmen. Erzähl keine Geschichte, denn: Du befindest dich mit deinem Unternehmen gerade inmitten eines Sturms. Der kann sich jederzeit ändern, noch heftiger werden und dann wirst du wieder sprechen, wahrscheinlich dann über neue Maßnahmen. Und deine Fakten müssen immer wahr sein, deine Pläne zueinander passen, auch wenn sie sich ändern. Nur wenn du jetzt klar und ehrlich bist, behältst du auch in Zukunft deine Glaubwürdigkeit. Und die wirst du brauchen. 

2. Verkaufe, hör zu und überzeuge

Sell! Direct! Fast! Vertrieb ist jetzt noch viel wichtiger als früher. Und dafür musst du wissen, wer was jetzt wirklich braucht. In dieser ausßerordentlichen Situation haben alle deine Kunden völlig andere Bedürfnisse und andere Anforderungen als vorher. Projekte, Käufe, Aktionen, die eben noch wichtig erschienen, sind jetzt nicht mehr da. Also: was wollen sie wirklich? Was brauchen sie wirklich? Frag sie, beobachte und hör ihnen zu. Was kannst du ihnen bieten, was ihnen tatsächlich hilft? Das musst du ihnen zeigen, sie müssen es bei dir finden, bestellen und du musst es schnell liefern können, oder mindestens sofort reagieren. Schnelle und entschlossene Aktion ist jetzt wichtig. 

3. Halte deine Company am Laufen

Work! Work! Work! In deinem Betrieb muss jetzt gearbeitet werden. Deine Mannschaft muss in Beschäftigung sein, sie muss etwas tun können, dass ihnen allen das Gefühl gibt, dass sie zum guten Ausgang etwas Wichtiges beitragen. In der Seglersprache heißt das: Im Schiff muss Fahrt bleiben. Es muss sich bewegen. Fußballer drücken das etwas anders aus: Über den Kampf zum Spiel gelangen. Sie ergänzen dabei, dass man über die Arbeit auch wieder die spielerischen Elemente zurück gewinnen kann, die für den Erfolg ebenfalls wichtig sind. 

4. Create! 10 gute Ideen am Tag

Auf dich kommt es an, während der Sturm rast und tobt. Du musst neue Wege, neue Lösungen finden. Dein Kopf arbeitet auf Hochtouren, Routinen braucht es nicht. Denk alles neu, mach Dinge anders. Es kommen sowieso ständig neue Situationen, in denen du neu handelst. Aber vertrau auch dem, was du kannst, was du gelernt, erlebt und erfahren hast. Das, was dir jetzt hilft, ist deine Seemannschaft, dein Handwerk, dein Können. 

5. Prepare! Plan! 

Sei auf alle möglichen neuen Situationen vorbereitet. Denke daran: es ist ein Sturm. Der ist nicht vorhersehbar und kann von einer Minute auf die andere komplett neu die Richtung wechseln. Du denkst, er flaut ab und im nächsten Moment ist er stärker als je zuvor. Beobachte deine Umgebung, alles, was passieren oder einen Einfluss haben könnte. Jetzt sind Faktoren möglicherweise entscheidend, die früher nie eine Rolle in deinem Markt spielen konnten. Aber der ist nicht mehr so wie vorher, es gibt keine "Branchen" mehr. Im Sturm und auf See sind es jetzt neue Wellen, noch dunklere Wolken, noch stärkerer Wind. Andere Schiffe, die weit entfernt gerade in Schräglage geraten - damit dir das nicht auch gleich passiert, wenn dich die Bö trifft, musst du frühzeitig Sgel reffen. Um die Parallele zu ziehen: Deine wirtschaftlichen Maßnahmen so rechtzeitig ergreifen, dass du nicht in eine ähnliche Lage gerätst. Damit du statt dessen Ruhe im Schiff behältst und weiter Fahrt machen kannst, langsamer zwar, aber einigermaßen stetig. 

6. Gib ein bisschen Freude. Hoffnung. 

Für deine Kunden. Für deine Crew. Gib ihnen ein Lächeln, gib ihnen Kraft. Das brauchen alle, jetzt mehr als sonst. Und es ist Teil deiner Aufgabe. Ihr alle gehört zusammen. Unterstützt Euch, helft Euch. Mit Worten und mit Taten. Steht zusammen. Nur so kommt Ihr alle durch diesen Sturm: Kunden, Kollegen, Lieferanten, die ganze Mannschaft. 

7. Setz einen Kurs

Hab ein Ziel vor Augen, dass du erreichen willst. Steck deinen Kurs ab, um es zu erreichen. Und sei bereit, ihn jederzeit zu ändern. Weil der Wind dreht, die Wellen stärker und höher werden, ein Riff vor dir liegt oder etwas anderes Unvorhergesehenes eintritt, vielleicht sogar ein Schaden an deinem Schiff. Aber du bist der Käptn, du musst wissen, wo es hingehen soll. Und gleich, was geschieht, du passt deinen Kurs an, änderst ihn und findest wieder zurück. Das Wichtigste: das Schiff durch den Sturm segeln. Ein Zwischenfall passiert? Gar ein Rückschlag? Egal: weiter kämpfen, segeln und nicht aufhören. 

8. Irgendwann wird der Sturm vorbei sein

Mal dir diese Sitation aus: Wie sich das anfühlen wird, wenn Ihr alle es geschafft haben werdet. Wenn Ihr wieder ruhig fahren könnt, an Land seid, miteinander sprechen und Euch freuen werdet, dass Ihr es geschafft habt. Jetzt ist es hart, Ihr strengt Euch an, geht an Eure Grenzen und darüber hinaus. Es tut weh. Aber Ihr schafft es, genau deswegen. 

9. Tools: was du brauchst

Auch jetzt, im schlimmsten Sturm, musst du immer dein Schiff, respektive dein Unternehmen, alle Schoten, die Segel, Beschläge und Knoten jederzeit und genau prüfen. Passt alles, sitzt alles richtig, laufen die Schoten gut, stehen die Segel, musst du was an den Einstellungen verändern, etwas dichter nehmen, loser lassen, einholen, reffen? Manchmal sind es Kleinigkeiten im und am Schiff und der Mannschaft, die gerade in einem Sturm sehr viel ausmachen. Auf alle Details musst du achten, jederzeit. Und selbst jetzt, in dieser Situation, kann es gut sein, dass du etwas neues startest, ein neues Tool einführst, ein neues Projekt startest. Warum? Weil es in ein oder zwei Wochen vielleicht schon genau das Instrument sein kann, was dich zu deinem Ziel führt, mit dem du in diesem Sturm bestehst.

  • Ein Beispiel: Du hast bisher keinen Onlineshop - bau ihn jetzt und sofort. Denn nie brauchtest du ihn mehr als gerade jetzt, wo deine Kunden zu Hause bleiben müssen und nicht mehr zu dir kommen. Aber: Bau nicht in Riesen- sondern in kleinen Schritten, mit schnellen Lösungen für unmittelbare Ergebnisse. 
  • Ein anderes Beispiel: Dein Betrieb konnte bisher nie Homeoffice. Jetzt führt Ihr es ein und zwar schnell. Sonst könnt Ihr vielleicht morgen schon gar nicht mehr arbeiten. Welche Tools, welche Prozesse, welche Regeln benötigt ihr? Ihr müsst schnell antworten. 

10. Keine Nettigkeiten

Klarheit - sag, wie die Dinge stehen. 

  • Analysiere die Situation. Nimm sie an, wie sie ist. Was eben, vorhin, letzte Woche passiert ist, kannst du nicht mehr ändern. Schau nur nach vorn. Was du, was ihr zusammen alle erreichen wollt. Das ist jetzt wichtig.
  • Sprich aus, wie die Situation ist. Beschönige nicht, dramatisiere nicht. Sag wie es ist und was du tun wirst. Farg andere um ihre Meinung. Prüfe deine eigene Sicht. Dann entscheide. Zusammen mit anderen, allen oder allein. So, wie es angemessen ist. Am Ende gibt eine oder einer das Kommando zum Manöver. Sonst kommt es zu spät.

Master and Commander - Bis ans Ende der Welt

Master and Comander, nach den fantastischen Buchvorlagen von Patrick O´Brian. Spannend und mit vielen Sturmszenen - so müssen eine Crew und ein Käpt´n oder eine Kapitänin und die leitenden Crewmitglieder zusammenhalten und zusammen arbeiten.  

"Aufrichten und Weitergehen": Gabor Steingart hat einen tollen Podcast eingerichtet, mit dem Titel "Der achte Tag". Hier wird nachgedacht und reflektiert, über jetzt und über morgen, mit ausgesuchten hellen Köpfen. In der Folge vom Montagabend, 23.3.2020, spricht die Mentaltrainerin Antje Hemsoeth, wie man in der Krise Kraft finden kann. Sie berät Spitzensportler und Vorstände, ihre Gedanken, Bilder, Tipps und Modelle, wie man sich selbst motivieren kann in solchen Extremsituationen gehen in eine ähnliche Richtung - andere Worte, ähnliche Aussage. Sehr spannend und empfehlenswert! 

Fragen, zu unseren Segel- und anderen Erfahrungen im Sturm 

... und wie man sie durchsteht, hopefully gut: pole-position[at]drive.eu

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Stephan Probst unter pole-position(at)drive.eu - frohe Botschaften für alle. Stephan ist DRIVE und seine Begeisterung reißt alle in der Agentur mit.