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10/19: Vom Chat Bot zum Personal Assistant, von Sprach- zur Gedankensteuerung - die Möglichkeiten sind grenzenlos! Kurze Zusammenfassung einer aktuellen Diskussion mit Links zum Thema.

Heißt der Marketingmanager der Zukunft Chatbot?

Chatbots - Technologie, Einsatzbeispiele, Stand der Forschung, Ausblick

Das Thema: Was Chatbots, intelligente persönliche Assistentensysteme, sprach und/oder gedankenbasiert, im Dialog und als Servicetools zu leisten vermögen. Prof. Dr. Thomas Osburg forscht und schreibt zu Chatbots und intelligenten Assistenzsystemen - sehr spannend! Er stellt vor, wie Chatbots Dialogaufgaben in der Kunden- und der individuellen Kommunikation übernehmen. Zum Beispiel: 

  • Hotlineangebote werden erleichtert, Wartezeiten verkürzt
  • Soziale Programme werden verbessert
  • Multitasking wird ermöglicht, z.B. Joggen und Telefonieren gleichzeitig
  • Intelligente Serviceangebote: dein Automobil macht dich auf Gelegenheiten zum Parken, Einkaufen u.v.m. aufmerksam
  • Aus der Medizintechnik: du kannst deinen Rollstuhl mittels Gedanken steuern, z.B. für Querschnittsgelähmte
  • Deine Kleidung oder dein Wearable misst Körperfunktionen und bietet Vorschläge an.

... und vieles mehr. Dazu der Hinweis auf Studien, Einsatzbeispiele, Ergebnisse, Ausblicke. Spannend dabei: der Übergang von Sprach- zu Gedankensteuerung, z.B. beim o.g. Lenken von Rollstühlen, die Experimente und Ergebnisse dazu. 

Der Anlass: Tagungsveranstaltung des muk.net anlässlich des 80ten Geburtstages von Frau Professorin Uschi Hansen, unser aller Lehrmeisterin. Eine Art Klassentreffen, ihr zu Ehren, mit Vorträgen, Workshops, Diskussionen und viel Spaß, am 25.10.2019.

Das Publikum: Professoren, Doktoranden, Absolventen - wir alle sind von Frau Hansen ausgebildet. 

Die Diskussion: überraschend. Eine große Gruppe der Jung-, älteren Professoren und anderen klugen Köpfe steht dem Thema und der Technologie negativ gegenüber. Ihre Argumente: Es fehle eine persönliche Beziehung. Und die Herren konnten sich nicht vorstellen, z.B. selbst gleichtzeitig zu  joggen UND zu telefonieren, es ginge ihrer Ansicht nach nur entweder oder. 

Erstes Ergebnis und zum Umgang mit neuen Technologiethemen

Tolles Thema, spannender Vortrag. Spannende Technologie, aufregend, voller Möglichkeiten! 

Aber dass die Diskussion ausgerechnet von Wissenschaftlern derart geführt wird, dass persönliche Antipathien und Vorbehalte ohne Faktenbasis und weitere Prüfung, rein aufgrund eigenem subjektiven Erleben, neugierdefrei einer weiteren Entwicklung als Skepsis und damit Hindernis entgegengestellt werden - das ist etwas bedauerlich. Schön wäre, sie würden ihre Rolle als Gatekeeper, Meinungsführer und Vorbilder für Praxis, Lehre und Forschung auch in diesem für sie wohl neuen Thema offener ausfüllen. 

  • 1. Was kann eine neue Technologie leisten? Funktioniert sie, tut sie, was sie tun soll?
  • 2. Was sind die Möglichkeiten? Wofür ist sie geeignet, was kann man damit machen, wie geht das, wo und wie kann sie besser werden?
  • 3. Und dann erst sollte die Bewertung folgen: Ist das gut oder schlecht, wo sollte man es "verbessern" und warum ...

Ist diese Form von Technologieskepsis mit ein Grund, warum Deutschland in Innovations- und Technologiethemen oft nicht weit genug vorn ist? Bei allen neuen Medien war in der ersten Einführungsphase genau so etwas zu erleben, auch bei der Einführung des Internets oder bei sozialen Medien.

Was als Erfahrung hier ausgeblendet wird: Verhaltens- und Nutzungsmuster können und werden sich von einer Rezipientengeneration zur nächsten komplett ändern. Schaut Eure Kinder an, wie sie mit Medien umgehen - diesen Hinweis gibt ihnen ein anderer Teilnehmer aus dem Auditorium noch mit. 

Die "imaginierte Beziehung"

Gute Dialogkommunikation funktioniertbereits jetzt schon so, z.B. auf einer Website oder in einer App: Beide Dialogpartner, Sender und User, stellen sich ihre Beziehung vor, versuchen sie als so persönlich wie möglich zu imaginieren, auch wenn sie zeitlich, räumlich, situativ voneinander getrennt und nur über das Medium verbunden sind. Wenn dann eine Empfindung ähnlich dem einer persönlichen Beziehung bei einem der Teilnehmer nicht auftritt, ist das nicht unbedingt dem Medium selbst als Versagen anzulasten, wie es die skeptischen Diskutanten unterstellen. Sondern es ist dann einfach nur nicht ausreichend gut gestaltete Kommunikation, mehr nicht.

Die Vorstellung, mit einer intelligenten Maschine zu sprechen, lernen junge Rezipienten sehr früh. So funktionieren ihre Gadgets, Spiele, TV-Serien, Filme und vieles mehr: "The Flash", "Star Trek", "Star Wars", "Knight Rider", "The Vision" aus den Avengers und viele mehr. Intelligente Systeme sprechen, diskutieren und lassen sich in diesen Geschichten qua Gedanken und Sprache steuern. Und davon lernen Kinder und Erwachsene auch. Fernsehtipp also für Professoren (außer für Thomas Osburg): Superhelden-TV Binge Watching oder einfach in der eigenen Pop-Kultur-Adoleszenzerfahrungskiste kramen.

Namensvorschlag: "Personal Intelligent Assistant"

Der Name: hieran kann man noch arbeiten. "Chatbot" klingt zu schmal, klein, einfach, ein wenig nach Doofchen. "Personal Butler" hat was von angestaubten, britischen Fernsehserien aus den 70ern. "Digital" ist sowieso alles. "Personal Intelligent Assistent" klingt schon mal besser und sagt, um was es geht. 

Für die Anregung: Herzlichen Dank, Thomas Osburg

Lesetipps zum Thema: 

Schwan, Ben (2019): Gedanken steuern Rollstuhl. Heise-Verlag.

Timmons, Adela C. Chaspari, Theodora. Han, Sohyun C.. Perrone, Laura. Narayanan, Shrikanth S., Margolin, Gayla (2017): Using multimodal wearable technology to detect conflict among couplesUniversity of Southern California.

Seh-Tipp dazu:

Modellprojekt in Bochum - Rollstühle mit Gedankensteuerung getestet, 17.06.2019 15:38 Uhr, ZDF.de

Und der Link zu Thomas Osburg

https://www.thomasosburg.de 

von Stephan Probst, Hannover, 26.10.2019