Die Zukunft des Handels

25/10/21 ... ist nicht stationär, sondern überall. So long, Ladengeschäft? Nicht unbedingt.

Die Zukunft des Handels sollte rosig sein, oder nicht?

Nein, nicht in Deutschland. Hier wird Trübsal geblasen. Warum? Weil Innenstädte veröden, Ladengeschäfte und ihre Eigentümer sich Mieten für ihre teuren Standorte nicht mehr leisten können. Kaum noch Kunden kommen in die Stadtzentren, alles verödet, wird langweilig, schmuddelig und niemand mag mehr dort kostbare Lebenszeit verplempern. Und überhaupt: das Internet trage obendrein dazu, dass die Misere immer schlimmer würde. Denn derweil boomt der Online-Handel! Amazon und andere Anbieter fahren Rekordumsätze und stellen Mitarbeiter ein. Weil Kund*innen in der Pandemie gelernt haben, dass online kaufen nicht nur sicher und bequem ist sondern auch noch Vielfalt bietet und Spaß machen kann. 

Nur an vielen deutschen Händlern zieht dieses Geschäft vorbei. Da wird nach noch mehr Unterstützung gerufen, der Staat solle regulieren, den Verkehr wieder zu ihnen zurück leiten und sie in der Zwischenzeit ausreichend subventionieren. Sie wollen ihre Strukturen retten, das kann man verstehen. Aber ist es auch richtig? Denn so wichtig Unterstützungen während der Pandemie gewesen sein mögen - sollten sie bei der einen oder dem anderen auch die Bereitschaft, sich an veränderte Bedingungen anzupassen und neu auszurichten, verlangsamt oder gar ausgesetzt haben? Das wäre fatal, denn genau darum geht´s: Neue Wege finden. Raus aus Trübsal, Trostlosigkeit und den pandemischen Zeiten.

Es könnte so einfach sein. Und das ist es auch.

Wie kann es anders laufen? Während bei uns das Sterben der Innenstädte besungen wird, zeigen Beispiele, dass es auch anders gehen kann, dass auch rein auf Handel ausgerichtete Flächen funktionieren, mit guten Konzepten. Hier eines aus Frankreich, ebenso pandemiegeschädigt wie alle anderen auch. 

Sauber, sicher, freundlich & bequem - so kommen wir gern.

Alte Weisheit - wenn du jemanden einlädst, räum vorher deine Hütte auf. Trifft auf viele deutsche Städte einfach nicht zu. 

Digital und analog - das ist kein Widerspruch! Integriert und ganzheitlich ist die Zukunft, auch des Handels.

Alles gehört zusammen. Menschen kommunizieren mit Augen, Händen, Mund, Ohren und dem ganzen Körper. Und eben auch mit Smartphones, Computern, Tablets und überhaupt mit allem, was sie gern benutzen, was funktioniert und Spaß bereitet. Und so kaufen sie auch ein. Nicht entweder / oder, so wie viele deutsche Händler*innen, Entscheider*innen und sonstige Menschen denken. Sondern immer und überall gleichzeitig und auf einmal. Und so muss auch Handel funktionieren. Alles muss gehen, gleichzeitig. Das Bild zeigt eine Ruhezone im Center der Galeries Lafayette in Nizza, mit Strom, damit Kund*innen ihre Phones aufladen können, sehr einfach und sinnvoll. Denn Strom ist ein knapper Faktor bei Smartphones.

WIFI for free - denn wir wollen immer online sein.

Sollte eigentlich ein Standardangebot in allen Läden und Innenstädten sein, so wie an internationalen Flughäfen und Bahnhöfen auch: freies Wifi, sehr stark, super easy in der Anmeldung. Mit dem Service, auf Besonderheiten und Aktionen hinzuweisen. Denn freier Zugang ist sehr begehrt. 

Orientierung und Ansprache: nutze das Smartphone!

Einfacher geht´s eigentlich nicht. Das Smartphone ist das ideale Gerät, um die Menschen vor Ort in der Stadt, dem Center, vorher und nachher zu Hause, am Arbeitsplatz und einfach überall anzusprechen. Was brauch ich dafür? Einfacher geht´s schon gar nicht mehr: eine gute App. (Nur in Deutschland ist das manchen Orts noch eine Herausforderung)

Biete Glückseligkeit, Freude & Freiheit.

Freies Internet. Gute Musik (kein Formatgedudel). Angenehme Gerüche. Schöne Bilder mit Auf- und Anregung und neuen Eindrücken. Raum und Bühne, für große Auftritte und schöne Erlebnisse. Leben, Freude, Zusammensein. Schaffe Möglichkeiten für neues Begehren. 

Mobilität ist wichtig: hin und weg, am besten mit neuem Gepäck.

Denn wenn dein Besuch gar nicht erst zu dir hinkommen kann, wie soll das funktionieren? Geht nicht, also ist Mobilität Grundvoraussetzung für die Orte. Es soll ökologisch gut und nachhaltig sein, aber vor allem ist wichtig: Die Menschen müssen 1.) gut hinkommen, alle Alters- und Mobilitätsgruppen, und 2.) gut wieder weg, besonders mit ihren Einkäufen. Und 3.) sich vor Ort gut, schnell und einfach bewegen können. 

Und wenn sie nicht zu dir kommen können, dann geh du zu Ihnen. 

Dafür brauchst du die digitalen Kanäle: um sie anzusprechen! So einfach.

Digitale Möglichkeiten: Unendlich

Es gibt so viele. 

Und vor Ort: 

  • GemeinsameBringservices: tragt den Kunden die Ware nach Hause, nehmt ihnen Mühsal und Beschwernis ab. 
  • GemeinsameBestellservices: bietet gemeinsame Plattformen an, aber nicht die langweiligen, auf denen einfach nur lokale Angebote in Listen gesammelt werden. Sondern spannend, unterhaltsam, nah und relevant. 
  • Gemeinsame Rabattservices: wenn ihr gegen die großen Player ankommen wollt, solltet ihr euch zusammen tun, gemeinsam verhandeln und zusammen besser anbieten. 

Verknappe die Angebote. Wie in einer Klinik.

Und dann wird der Laden auch voll. Wie hier im Apple Store. Mit begehrten Produkten, schön, wichtig und voller zentraler, überlebenswichtiger Ressourcen. 

Hier mein persönliches Beispiel: Ich hatte im Ausland mein Handy gecrasht, mit digitalem Impfausweis und noch viel mehr zum ÜBERLEBEN wichtigem Zeug drauf. Also brauchte ich dringend Hilfe - erhältlich in der Notaufnahme des Apple-Stores, nach vorheriger Terminreservierung über die zentrale 24/7-Hotline - formidable Hilfeleistung, Kundenbetreuung und -bindung, die überall funktioniert.

Menschen > Standort

Die Menschen müssen wieder in den Mittelpunkt. Was wollen SIE? Was können wir IHNEN bieten? Und wenn wir es nicht haben: wie bekommen wir es für SIE her? Nur darum geht´s. Nicht darum, dass sie zu MIR (als Händler*in) , an MEINEN Standort kommen - das ist FALSCH.

Denn was sind die wichtigen Funktionen und Aufgaben als Händler*in?

  • Produkte und Dienstleistungen an Menschen VERMITTELN, die diese wünschen oder brauchen.
  • Dafür die richtigen Services anbieten und mit den Kunden GESPRÄCHE FÜHREN. 
  • Wenn diese Bedürfnisse sich ändern, jederzeit FLEXIBEL und MOBIL sein, um sich daran anpassen zu können.
  • Dabei immer das BESTMÖGLICHE ERLEBNIS für die Kund*innen anzubieten. 

Wenn dies alles im Ladengeschäft stattfinden kann, dann ist es gut. Wenn aber nicht, dann darf der Standort der eigenen Entwicklung als Händler nicht im Weg stehen. Und da dies eine der vorherrschenden Entwicklungen in vielen Innenstädten ist: so be it. 

Digital x analog = der ganzheitliche Handel!

  1. Mit EMPATHIE - reinfühlen. Nichts kann wirklich ein gutes Bauchgefühl ersetzen. Und daraus was Gutes erschaffen. Dafür braucht man die richtigen Helfer*innen zur Unterstützung. 
  2. Mit ANALYSE - beobachten. Daten sammeln, über alle Vorgänge, außerhalb und innerhalb meiner Welt. Über alles, was meine Kund*innen und die Menschen, mit denen ich im Kontakt und im Geschäft sein will, bewegt. Dafür braucht man die richtigen Tools und Instrumente zum Sammeln und Aufbereiten. 
  3. Mit THEORIE - nachdenken. Ich muss die richtigen Schlüsse ziehen können, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Bewährtes hinterfragen, wenn´s sein muss einreissen und neu bauen. Besser noch: schrittweise anpassen, adaptieren und so die Modelle laufend verfeinern. 
  4. Mit PRAXIS - machen und dabei besser werden. Immer im Dialog bleiben, zuhören, aufnehmen und dann sprechen. Gemeinsam mit den Kund*innen die richtigen Angebote für sie finden, ihnen zeigen und sie für sie ermöglichen. Und das geht ohne digitale Angebote einfach gar nicht mehr. Nirgends. 

Das ist es eigentlich, was guten Handel ausmachen sollte. 

Also: was ist wichtig für die Zukunft des Handels?

Wichtig ist, die Kunden auf ALLEN KANÄLEN gut zu erreichen, besonders digital! Standort ist nicht mehr der entscheidende Key-Faktor.

ZEIT und GESCHWINDIGKEIT sind wichtig! Kunden wollen rund um die Uhr Kontakt, Kaufen, Service. Geschwindigkeit bei der Reaktion zeichnet aus. 

DIGITAL und ANALOG sind keine Gegensätze! Sie ergänzen und potenzieren sich gegenseitig.

ALLES dreht sich nur um die KUNDEN. Sie allein sind entscheidend und bestimmen die Richtung. ABER: wir müssen schon vorher wissen, was sie wollen können.

Das ERLEBNIS muss immer PERFEKT und STIMMIG sein. Die Show, die Emotion, die Beratung und Information. Von der Bestellung über Auswahl und Empfehlung bis zur Lieferung und eventuellen Nachfragen. Die Beratung und alle Zusatzleistungen. 

PRODUKTE + SERVICES sind untrennbar verbunden. Denn das ist es, was den Händler vom Hersteller unterscheidet: Beratung und Empfehlung, Zusatzleistungen, Unabhängigkeit und Auswahl, Garantie und Sicherheit. Denn Produkte von A nach B schicken - das können Hersteller auch. 

Weitere Beiträge zum Thema "Digitaler Handel":

Zur Revitalisierung der Innenstädtehttps://www.drive.eu/driveblog/beitrag/revitalisierung-der-innenstaedte, 10/20

Der Handel sei nicht unverschuldet ...? Für kreative Händler: Eine konstruktive Replik, damit man was unternehmen kann, https://www.drive.eu/driveblog/beitrag/einspruch-der-handel-ist-doch-selber-schuld, 10/20

German Digitalization - was bei der Digitalisierung in Deutschland Schwierigkeiten bereitet, https://www.drive.eu/driveblog, 07/20

Deutschland - Digital-Land? https://www.drive.eu/driveblog/beitrag/die-digitalisierung-in-germany, 06/20

DRIVE Shop - dein neuer Shop geht online in 24h, unsere Corona-Aktion, um lokale Händler*innen zu unterstützen: https://www.drive.eu/driveblog/beitrag/dein-neuer-shop-in-24-stunden, 04/20

Digitalisierung - Quo Vadis?https://www.drive.eu/driveblog/beitrag/digitaisierung-quo-vadis, 04/20

#kauftlokal - ein Plädoyer für den lokalen Handel, mit vielen Tipps und Vorschlägen https://www.drive.eu/driveblog/beitrag/supportyourlocal, 03/20

Kommunikation für Start-Ups, am Beispiel eines kleinen Saftladens, https://www.drive.eu/driveblog/beitrag/dein-start-up-und-du, 9/19

Online-Shops mit DRIVEhttps://www.drive.eu/driveblog/beitrag/online-shops-mit-drive, 02/19

Gut zu wissen: DRIVE ist authorisiertes Beratungsunternehmen des Förderprogramms "GO DIGITAL"https://www.drive.eu/driveblog/beitrag/foerderprogramm-go-digital, 02/21

 

Stephan Probst Geschäftsführer DRIVE

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